In einer besonderen filmischen Dokumentation des Historischen Vereins am Mittwoch, 22. April 2026 im VfR-Vereinsheim in Birkmannsweiler blickt der 97-jährige Erwin Hertle auf sein bewegtes Leben und sein jahrzehntelanges Wirken in Birkmannsweiler zurück. Im Gespräch mit Altbürgermeister Friedrich Seibold und dem VfR-Ehrenvorsitzenden Horst Schönfeld wird deutlich, wie sehr das „Grafik-Genie“ das visuelle und gesellschaftliche Bild des Ortes geprägt hat.

Diethard Fohr begrüßt die Gäste im Namen des Stadtmuseums und des Historischen Vereins. Er übermittelte herzliche Grüße von Erwin Hertle, der aufgrund seines Alters (97 Jahre) und seines aktuellen Gesundheitszustands nicht persönlich anwesend sein konnte.
Fohr dankt der Karl-Krämer/Stiftung für die Förderung. Er hebt die Arbeit des Kameramanns Frank Speidel hervor, der unter anderem Drohnenaufnahmen beisteuerte. Er merkt scherzhaft an, dass es fast ein „Dr. Walder Film“ geworden sei, da Erwin Hertle im Interview so ausführlich und begeistert von Dr. Walder schwärmte, dass man ihn kaum bremsen konnte. In diesem Zuge begrüßt er auch die anwesenden Angehörigen der Familie Walder und Hertle.
Beruflicher Werdegang und grafisches Erbe
Erwin Hertle, der im Alter von drei Jahren von Bittenfeld nach Birkmannsweiler kam, entdeckte sein Talent bereits in der Schulzeit. Nach einer Lehre als technischer Zeichner und einer Ausbildung zum Grafiker arbeitete er unter anderem fünf Jahre für die Deutsche Zeitung Wirtschaft und leitete später eine Abteilung mit 18 Mitarbeitern. Herausragend ist seine 45-jährige Zusammenarbeit mit der Firma Salamander, für die er Schuhe zeichnete, lange bevor die Fotografie diese Aufgabe übernahm.
In Birkmannsweiler hinterließ er überall seine Handschrift:
Er entwarf das Birkmannsweiler VfR-Wappen mit den Hirschstangen in enger Zusammenarbeit mit dem Arzt Dr. Walder.
Er gestaltete das Emblem der Feuerwehr (1962) sowie das Layout des örtlichen Amtsblatts neu.
Nahezu alle Festschriften der örtlichen Vereine und zahlreiche Wandbilder in Vereinsheimen wurden von ihm gestaltet.

Kriegserlebnisse und die Liebe zur Fliegerei
Der Film beleuchtet auch Hertles Zeit im Zweiten Weltkrieg. Er absolvierte eine Ausbildung zum Segelflieger (Modelle SG38 und Grunau Baby) und war zeitweise für die Me 109 vorgesehen, bevor er als Infanterist nach Straubing versetzt wurde. Diese Leidenschaft für die Bewegung und Technik begleitete ihn sein Leben lang.
Ein Leben für die Gemeinschaft: Sport und Musik
Hertle blickt auf eine 80-jährige Mitgliedschaft im VfR Birkmannsweiler zurück. Er war nicht nur ein schneller Stürmer auf dem Fußballplatz, sondern auch Gründungsmitglied der Skiabteilung. Auch beim Tennisverein (TVB) gehörte er 1972 zu den Gründern.
Neben dem Sport war die Musik sein wichtigstes Bindeglied zur Gemeinschaft. Mit seinem Akkordeon sorgte er bis ins hohe Alter von über 90 Jahren bei Seniorentreffs und Vereinsfesten für Stimmung und brachte die Menschen zum gemeinsamen Singen.

Ein bleibendes Porträt
Der Anlass für den Film war unter anderem das 70. Ehejubiliäum von Erwin und seiner Frau Lore im September 2025. Das Gespräch zeigt einen Mann mit „sprühendem Geist“, dessen Werke in vielen Archiven und privaten Haushalten als bleibende Erinnerung erhalten bleiben.
Dieser Film ist eine Hommage an einen Mann, der durch seine Kunst und sein Engagement tief in der Geschichte von Birkmannsweiler verwurzelt ist.
Zum Abschluss wurden humorvolle Anekdoten ausgetauscht, etwa über die „Vierschanzentournee“ (eine lokale Wanderung), den „Schellenbaum“ und die historischen Namen („Hirschkühe“ für Birkmannsweiler und „Schlappohre“ für Schwaikheim).
Wunsch für die Zukunft: Die Veranstaltung endete mit dem Wunsch auf „bessere Zeiten“, einem Verweis auf eine historische Gravur von 1773 im Uhrwerk im Historischen Torturm, und der Einladung an die Gäste, den Abend bei Gesprächen über die „gute alte Zeit“ ausklingen zu lassen.
Fotos / Text: Joachim Kiessling